SG Westhang – Schreibwerkstatt Gorbitz

 

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Nächste Schreibwerkstatt Gorbitz: am 5.11.19 um 17 Uhr im Mittelpunkt des DPBV e.V. im Gorbitzer Sachsenforum. Das Thema „Fassaden“ wird dabei Schwerpunkt sein.

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Einige Mitglieder der SG Westhang – Schreibwerkstatt Gorbitz im Gorbitzer Poesiepark. (v.l.n.r.: Hannes Hein, NN, Gunter Kießling, Karin Leonhardt, Martina Schuppe, Cornelia Eichner, Regina Sehmisch, Christian Krüger)

 

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Premierenlesung „Gretchen Keuner und die Elblandschtories“

Seit neun Jahren arbeiten Autorinnen und Autoren der SG Westhang – Schreibwerkstatt Gorbitz gemeinsam an eigenen Texten.
In diesem Jahr erscheint die zweite Anthologie der Gruppe in der Edition Freiberg.
Die feierliche Premierenlesung findet am 12. April 2019 ab 19 Uhr im Club Passage in Gorbitz statt.

Es lesen die Autorinnen und Autoren selbst, darunter Martina Schuppe, Cornelia Eichner, Heinz Freiberg, Gunter Kießling, Christian Krüger, Christl Dost, Regina Sehmisch, Alexander Lingroen u.a.

 

Aus dem Vorwort:

Cornelia Eichner

Von Brücken, Spiegeln und Verdauungsprozessen

oder: ein Vorwort zum Gesprächsangebot

Die hier in diesem Bändchen veröffentlichten Texte sind sozusagen gesammelte Werke verschiedener Autoren und Autorinnen der letzten Jahre. Sie zeichnen sich aus durch ausgeprägte Lebensnähe, durch Konkretheit und bewussten Regionalbezug. Sie erzählen von Begegnungen im Alltag, von Sehnsüchten und Ängsten, von Freuden und Schmerzen. Sie sind Brücken zwischen Menschen und Zeiten. So vermögen es die Autoren und Autorinnen, Vergangenes mit Gegenwärtigem zu spiegeln: Flucht-, Kriegs-, Verlust- und Armutserfahrungen ähneln sich durch die Zeiten hindurch und mahnen damit auch, nicht zu ignorieren, was derartige Erfahrungen mit Menschen machen.Wie schon in der ersten Anthologie der SG Westhang – Schreibwerkstatt Gorbitz wurde die Kunstfigur Gretchen Keuner eingesetzt. Bert Brecht hatte einst über dreißig Jahre hinweg seinen Herrn Keuner (oder Herrn K.) die eine oder andere Anekdote erleben lassen, um, ganz ohne Schnörkel und Schmus, Impressionen und kleine Lehrstücke des Alltags einzufangen. Unser Gretchen Keuner könnte die Enkeltochter des Herrn K. sein, denn auch mit ihr erleben Lesende die kleinen Besonderheiten des Lebens und der Gesellschaft.In den Jahren des Schreibens und gegenseitigen Vorlesens, mal zu eigenen Themen, mal zuThemen, die vorgegeben wurden, stellte sich immer wieder eine Frage, oder besser gesagt: ein ganzer Fragenkomplex. Vermutlich wird jeder oder jede, die oder der selbst schreibt oderviel liest, diese Fragen kennen: Was soll und was kann Literatur? Warum machen wir das? Die meisten Schreibenden werden recht schnell sagen: Weil ich nicht anders kann. Lesenden geht das übrigens zumeist ebenso – ohne Lektüre fehlt etwas im Leben.Aber gibt es auch weitergehende Antworten darauf? Können oder wollen wir rational begründen, warum wir lesen respektive schreiben? Es ist eine Art der Lust an Kommunikation, nicht des belanglosen Smalltalks, eher der bewussten Suche nach den richtigen Worten, um zu benennen, was manchmal nur schwer zu begreifen ist. Es sind Versuche, etwas mit bewusst gewählten Worten festzuhalten, was sonst viel zu flüchtig wäre – ein Moment des Glücks vielleicht oder der des Aha-Erlebnisses beim Erkennen von Lebenszusammenhängen. Es ist eine Art Herumkauen auf Themenstellungen, die zu hart, zuzäh sind, um sie einfach so nebenbei zu verdauen. Und oft ist auch der Wunsch Schreibender beteiligt, anderen Menschen Freude zu bereiten, Zuversicht zu geben. Wie im Spiegelbild ergeht es Lesenden kaum anders.Und wenn man all‘ diese Aspekte abwägt, um schließlich die richtige Form für diese Inhalte zu finden und anzuwenden, können sich daraus auch durchaus Konflikte ergeben. In Auseinandersetzung mit dem, was man sagen möchte oder sollte, was wichtig erscheint und Raum zum Wirken benötigt, kann es durchaus auch sein, dass die üblichen formalen Ansprüche und literaturtheoretischen Kriterien dafür nicht taugen. Und so sind in diesem hiervorliegenden Sammelwerk zwar alle Texte nach bestem Wissen und Gewissen korrigiert worden, jedoch nicht alle lektoriert. Welche dies sind und ob diese Entscheidung gut war, dürfen Lesende gern selbst beurteilen – für uns als Gruppe von Schreibenden war es der richtige Weg. Denn: Der Weg ist auch hier das Ziel, die gemeinsame Diskussion und Interaktion, der Austausch über Inhalte – und manchmal eben auch über die Form. Denn Bücher sind immer auch Gesprächsangebote.Sollte dies auch für Sie, als Lesende, eine Anregung zur Kommunikation und zum Austauschsein, würde uns das sehr freuen. Und vielleicht begegnen wir uns ja sogar in einem dieser wertvollen Momente


Gretchen Keuner: Alle Tage wieder

„Alle Tage wieder latsche ich so durch unsere Siedlung und sehe: Die Welt ist doch ein Dorf. Oder ist unser Dorf, pardon, unsere Siedlung vielleicht die Welt? Nun, das können Sie und ich (und auch die anderen Leutchens) sehen, wie wir wollen. Gewiss ist: An jeder Ecke gibt es Geschichten zu entdecken, man muss nur stehen bleiben und hingucken. Man darf nicht wegsehen. Und man muss zuhören. Da sieht und hört und riecht man, wie es den Leuten geht. Glauben Sie nicht? Doch, doch. Noch vor einigen Monaten hat das hier ganz oft nach Maggi gerochen. Heute riecht das auch mal nach Kardamom oder Zimt, manchmal riecht es auch nach billigen oder teuren Tabak, nach Gewitter oder nach Lindenblüten, je nachdem, wo man sich gerade wann befindet. Derweilen riecht das aber auch nach altem Schweiß, das mag ich gar nicht so sehr. Das sind dann oft die Leutchens, die keine Lust mehr haben auf’s Leben, weil alles irgendwie doof ist. Aber gerade auch denen muss man doch zuhören, nicht wahr? Schließlich braucht doch jeder und jede mal ein Ohr, in das er oder sie reinflüstern kann, dass man einsam ist oder jemanden lieb hat – oder dass man heute besonders traurig, freudig oder ängstlich ist. Wer fröhlich ist, der flüstert eher nicht, der ruft notfalls auch den Bäumen und Blumen und Straßenkatzen zu, wie großartig die Welt ist. Und egal, ob geflüstert oder gejubelt, solche Geschichten wollen aufgeschrieben werden, auch im Elbtal. Und die Autoren und Autorinnen hier, also die Martina, der Heinz, die Christel, der Gunter, der Christian, die Birgit, die Cornelia, der Sebastian, die Ella, die Regina, der Alexander, die Karin, der Kai, die haben alle zugehört und aufgeschrieben, wenn einer oder eine geflüstert oder gejubelt haben. Denn das ist das, was uns zu Menschen macht – und da ist es ganz egal, wie jemand aussieht, wie alt jemand ist, welche Sprache er oder sie spricht und wie viel Geld jemand jeden Tag ausgeben kann: Hören wir einander zu und erzählen wir einander, was uns bewegt, was wir erleben, wonach wir uns sehnen.“
(aus: SG Westhang – Schreibwerkstatt Gorbitz: „Gretchen Keuner und die Elblandschtories“

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„Jeder Mensch braucht zwei Hosentaschen in die er bei Bedarf greifen kann.In jeder Tasche ist ein Zettel.Auf dem einen steht: „Um meinetwillen wurde die Welt erschaffen“und auf dem anderen: „Ich bin Staub und Asche““
(Chassidisches Sprichwort)


Weitere Termine:

12.4.19 – Premierenlesung zur Anthologie „Gretchen Keuner und die Elblandschtories“

7.5.19 –  Schreibwerkstatt „Born in the GDR“

 5.6.19 – „Sie erzählen uns Ihre Geschichte, wir schreiben sie auf“ – Biografiewerkstatt beim „Gastmahl für alle“ auf dem Altmarkt

6.-9.6. Literaturfest Meißen

16.6. „Sie erzählen uns Ihre Geschichte, wir schreiben sie auf“ – Biografiewerkstatt beim Westhangfest

 11.6.19 – Schreibwerkstatt „Braves Mädchen, lieber Junge“

20.6.19 – 16:30 Uhr „Märchen“ – Schreibwerkstatt to go im Café Dreikönig

2.7.19 – Schreibwerkstatt „Wenn die Dinge reden könnten“

 3.9.19 – Schreibwerkstatt „Kampf der Worte?“

8.10. – im Rahmen der Interkulturellen Tage – : Schreibwerkstatt „Vom Du und Ich zum Wir: Zusammen.wachsen.“

5.11.19 Schreibwerkstatt „Fassaden“

3.12.19 Schreibwerkstatt „Bücher“

 

Aktuelle Informationen finden Sie auf unserer Facebook-Seite:

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